Sonntag, 2. Mai 2010

Hans-Peter Dürr, Quantenphysiker bei den Sternstunden Philosophie

Sternstunde Philosophie vom 25.04.2010

»Finanz- und Wirtschaftskrise, ökologische Krise: Wem bleibt da die Sinnkrise des westlichen Denkens verborgen? Wo aber zeigen sich in der eigenen Kultur Denkansätze, die zukunftsfähig sind? Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr plädiert für ein neues Menschenbild.«

SF-Videoportal

Auszüge aus dem Video:

Hans-Peter Dürr ist Quanten-Physiker und Querdenker, jemand der erkannt hat, dass wir etwas ändern sollten, um eine angenehme Zukunft haben zu können.

Unsere Krisen sind nur »gedacht«, aber nicht real.
Wir können anders Denken und Handeln. Warum tun wir es nicht? Wozu dient es, dass wir uns Regeln und Gesetze schaffen, sie immer wieder »beweisen«, selbst wenn wir feststellen, dass es so nicht funktioniert?

»Was hält die Welt im Innersten zusammen?«
Die neue Physik sagt: Es gibt keine »Kleinsten Teilchen«, es gibt nur »Wirks« oder »Passierchens«, wie Dürr sie bezeichnet.

Warum wird Licht als »real« betrachtet, wenn »real« nur ist, was man »begreifen« kann?
Licht kann man nicht begreifen …
Ist Liebe nicht real, weil sie nicht anfassbar ist? Doch, sie ist es, weil ich sie mir »vorstellen« kann, weil ich sie erfahren habe.

Wenn ich bei etwas Großem nicht weiß, was es ist, beschreibe ich es erst einmal und dann beginne ich damit, es zu zerlegen, immer kleiner und kleiner. Dabei geht die erste Form und später sogar die Materie »verloren«, aber es ist immer noch »etwas« da.

Wenn man nicht genau hinsieht, gibt es getrennte Dinge.
Wenn man genau hinsieht, verschwimmen die Dinge.

»Wissenschaft ist eine Welt, die objektiv ist – ein Irrtum.«
Dürr dachte anfangs, dass Wissenschaftler die wirkliche Wirklichkeit kennen. Er wurde Schüler des Heisenberg-Schülers Edward Tellers und erkannte, dass diese »Wissenschaft« (Wasserstoffbombe) nicht zu Friedenszwecken sondern ausschließlich zu zerstörerischen Handlungen beitrug.

»Wissen ist Macht.« Francis Bacon – »Wissen ist Verantwortung.« Hans-Peter Dürr

Wissen muss dazu geeignet sein, das Leben lebendiger zu machen und es nicht zu zerstören.


Wenn man etwas beobachtet, das man nicht versteht, ist es hilfreich, auf den Handelnden zuzugehen und ihn zu fragen, warum er das tut (ohne Schuldzuweisung). – Er wird seine Gründe haben, vielleicht hat er sich vorher keine Gedanken darüber gemacht und wird sich durch die Frage erst dessen bewusst, was er tut. Durch das Fragen zeigt man, dass es wichtig ist, was man tut.
Das ist eine Zuwendung zur Welt. Man hat ein Verständnis für die Welt, die Menschen, die Kulturen, die Natur.

Unsere Sprache ist »gefährlich«, weil sie Dinge »greifbar« macht …
»Mach deine Hände auf und erfahre.«

Was ich exakt ausdrücken kann, geht auch exakt an der Wirklichkeit vorbei.
Die Wirklichkeit verändert sich ständig.

Der Homoökonomokus
… sagt nur, der Mensch muss ernährt werden, aber der Homosapiens ist doch viel mehr als eine »Fressmaschine«. Der Grundantrieb des menschlichen Handelns ist sicher nicht der Wettbewerb, aber mit dem kann man Geld verdienen.

Materie wächst nicht, also gibt es auch kein Wachstum.

Die Sonne gibt Energie. Sie hat dafür gesorgt, dass aus der Ur-Suppe etwas wie die Menschen entstanden sind.

Wettbewerb dagegen macht alles kaputt. Nicht ich bin besser als die anderen. Was ich weiß muss ich anderen mitteilen, damit wir uns weiterentwickeln können.
Wettbewerb spornt niemanden zu Höchstleistungen an, es ist die Phantasie. Teilen und Austausch im Zusammenspiel miteinander bringen uns viel weiter. Das Andersartige bereichert (vgl. Sexualität). Wir sollen unsere Einmaligkeit entwickeln. Wir sind dann immer eine Bereicherung.

Ein Mensch ist sowas wie ein Gedicht. Es ist nicht so, dass ein Buchstabe »A« kommt und sagt: »Ich bin ein A.« Und dann kommt Buchstabe »B« und sagt: »Aber ich bin B und besser als du. Dann fangen wir einen Krieg an!« – So war es bis heute. Wenn aber »A« und »B« ihre Andersartigkeit als »Bereicherung« sehen: »Hey, zusammen geben wir einen Klang!« Und wenn man dann noch ein »L« hinzu nimmt, hat man schon ein »Bla« … eine Silbe, die zu einem Wort, zu einem Satz zu einer neuen Geschichte werden kann.

Mit unserer alten Denke und dem Glauben an Wettbewerb können wir es nicht schaffen. Nachhaltigkeit muss bedeuten, dass Lebende lebendiger zu machen. Die kooperative Integration von Verschiedenartigem erhebt das Gesamtniveau.
Die Menschen müssen davon nicht überzeugt werden. Wir haben das seit Millionen Jahren so gemacht, wir müssen uns nur daran erinnern.
Wenn wir zusammen gehen, können wir uns gegenseitig daran erinnern, was wir vergessen haben. Die »Hintergrundweisheit« ist immer da. Man muss sie in sich selbst erfahren oder braucht jemanden, der einem dabei hilft, seine Phantasie zu gebrauchen.

Man muss nicht alles »machen«. Ich muss keine Wasserstoffbombe bauen, um herauszufinden, dass sie zerstört. Das kann man sich vorher vorstellen.

Hans-Peter Dürr hat eine Online-Plattform, Global Challenges Network e.V., auf der demnächst eine Community freigeschaltet wird, wo Menschen, die sehen was falsch läuft Vorschläge machen können, wie man die Probleme lösen könnte. Er hat erkannt, dass wir in dem Ist-System der Wettbewerbswirtschaft kaum Zeit und Muße dazu haben, kreativ zu sein und unsere Phantasie ins Spiel zu bringen.

Wenn wir andere Menschen als Mit- statt als Gegenspieler sehen, sind wir der besseren Zukunft etwas näher.

Wir sollten lernen zusammen zu tanzen, zu spielen.

Ich mache da gerne mit!

Potsdamer Manifest 2005, engl.